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P R E S S E S T I M M E N |
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AACHENER ZEITUNG, 08.03.2004 POLITISCHES
BUCH
Deutschlands
Beamten geht es an den Kragen. Angesichts leerer öffentlicher Kassen
stehen die tatsächlichen und vermeintlichen Privilegien der Staatsdiener
zur Debatte. Ein überfälliger Prozess, schreiben die Kölner
Journalisten Frank Überall und Pascal Beucker in ihrem gerade
erschienenen Buch „Die Beamtenrepublik - Der Staat im Würgegriff seiner
Diener?“ „Ich kann
mir sehr gut ein Deutschland ganz ohne Beamte vorstellen“, sagt Pascal
Beucker. In der deutschen Geschichte blieben gleich mehrfach Gelegenheiten
ungenutzt, das Berufsbeamtentum abzuschaffen, bedauerte der
NRW-Korrespondent der Berliner Tageszeitung „taz“. So hatten sich nach
dem Ende des Zweiten Weltkriegs auch die West-Siegermächte USA und Großbritannien
gegen die Rückkehr des Beamtentums in Deutschland ausgesprochen. Dies sei
allerdings nur in der DDR abgeschafft worden. Heute kommt rund ein Drittel
der deutschen Parlamentarier aus dem öffentlichen Dienst. Sie bilden eine
„wirksame Sperrminorität gegen Veränderungen am Beamtensystem“,
kritisiert Beucker und fordert, das passive Wahlrecht für Beamte auf den
Prüfstand zu stellen: „In den USA muss man sich auch zwischen dem
Staatsdienst und einer politischen Laufbahn im Parlament entscheiden,
beides zusammen geht nicht.“ In Deutschland können sich Beamte hingegen
für ihre Zeit in der Politik freistellen lassen - mit fatalen Folgen, wie
Beucker findet: „Wenn eine Lehrerin nach zwei Legislaturperioden wieder
in den Schuldienst zurückkehrt, ist das weder für sie noch für die Schüler
besonders angenehm.“ Die von Befürwortern
des Berufsbeamtentums angeführte besondere Treuepflicht des Beamten zu
seinem Staat vermag der Politikwissenschaftler nicht zu erkennen: „Auch
in anderen Berufen ist man gehalten, sich an Recht und Gesetz zu halten.
Zudem ist der öffentliche Dienst durch zahllose Erlasse und
Dienstverordnungen zusätzlich juristisch reglementiert.“ Auch den
Begriff der „besonderen hoheitlichen Aufgaben“ der Beamten halten die
beiden Sachbuchautoren für überholt: „In den 70er Jahren war es
selbstverständlich, auch Bahn und Post den hoheitlichen Aufgaben des
Staates zuzurechnen. Auf diesen Gedanken käme heute niemand mehr.“ Zwar seien Beamte für ihren Arbeitgeber Staat auf den ersten Blick billiger als Angestellte. Aufgrund der hohen Pensionslasten ticke in den öffentlichen Kassen eine finanzielle Zeitbombe: „Sie wird dadurch verschärft, dass Beamte oft nicht bis zum Erreichen der Altersgrenze arbeiten.“ Beucker geht davon aus, dass die Finanznot besonders in den Bundesländern zu einem Umdenken führen wird: „Irgendwann wird der Leidensdruck so groß, dass der Status des Beamten und besonders seine Versorgung reformiert werden muss - trotz der Beamtenlobby im Parlament.“ Für den Autor ist bereits bewiesen, dass eine Gesellschaft ohne Beamte möglich ist: „In der Schweiz hat man in den vergangenen Jahren das Beamtensystem drastisch abgebaut, auch in vermeintlich hoheitlichen Feldern wie Polizei und Finanzverwaltung. Mir ist nicht bekannt, dass bei den Eidgenossen deshalb Chaos und Anarchie ausgebrochen ist.“ (ddp) AMAZON-Redaktion, April 2004 Ein Buch, mit dessen Thesen man sich ernsthaft auseinander setzen sollte Von Hasso Greb Weshalb sie den Untertitel ihres Buches mit einem Fragezeichen versehen haben, wird das Geheimnis der beiden Autoren bleiben. Ansonsten aber lassen Pascal Beucker und Frank Überall nichts im Vagen: Die Beamtenrepublik ist ein ganz entschiedenes Plädoyer für eine weitestgehende Abschaffung des Berufsbeamtentums. Dahin freilich, das wissen die beiden Journalisten als studierte Politikwissenschaftler sehr wohl, wäre es selbst dann ein langer Weg, wenn man den ersten notwendigen Schritt auf diesem Wege wagte und das passive Wahlrecht für Beamte einschränken würde. Etwa ein Drittel aller politischen Amts- und Mandatsträger nämlich kommen aus dem öffentlichen Dienst und wirken als Sperrminorität gegen grundlegende Änderungen des Beamtenrechts. Für deutsche, an eine weit gehende Gewaltenverschränkung gewöhnte Ohren mag eine solche Forderung völlig abwegig klingen. In anderen Staaten, etwa den USA, ist die strikte Trennung von Legislative und Exekutive dagegen eine Selbstverständlichkeit. Dort muss man sich "zwischen dem Staatsdienst und einer politischen Laufbahn im Parlament entscheiden, beides zusammen geht nicht". Hier zu Lande dagegen sind Beamte - vor allem Lehrer - in der Politik dramatisch überrepräsentiert, weil sie sich aus der unkündbaren beruflichen Sicherheit der Verbeamtung für ihre politische Karriere freistellen lassen können. Verlieren sie irgendwann ihr Mandat, kehren sie halt in ihre Amtsstuben oder Klassenzimmer zurück. Was für jeden anderen Erwerbstätigen, ob Freiberufler oder Angestellten, nur schwer möglich wäre, nämlich ohne jeden Karriereknick in den Beruf zurückzukehren, ist für Beamte kein Problem. Von den Verfechtern des Berufsbeamtentums wird, außer mit der, bei genauem Hinsehen unhaltbaren Behauptung, Beamte seien für den Staat kostengünstiger als Angestellte, gerne mit der "besonderen Treuepflicht des Beamten" argumentiert. Reine Augenwischerei, meinen die Autoren. Auch in anderen Berufen sei man schließlich an Recht und Gesetz gebunden. Mit Ausnahme der Kernaufgaben der Polizei seien die allermeisten der angeblich "besonderen hoheitlichen Aufgaben" sehr wohl privatisierbar. Ein Buch, das gewiss nicht frei ist von bisweilen bissiger Polemik, mit dessen Thesen man sich aber ernsthaft auseinander setzen sollte. BONNER
GENERAL-ANZEIGER,
19.05.2004 Kölns Polizisten haben Berliner Polizisten haben einem neuen Sachbuch zufolge deutlich seltener Nebenjobs als ihre Kollegen beispielsweise in Köln. Wie die Autoren Pascal Beucker und Frank Überall in ihrem jetzt im Campus-Verlag erschienenen Buch "Die Beamtenrepublik" schreiben, gehen nur etwa drei Prozent der rund 25 000 Hauptstadt-Polizisten einer genehmigten Tätigkeit in der Freizeit nach. In Köln (7,5 Prozent) und Hamburg (7,7 Prozent) sind es mehr als doppelt so viele. Die Autoren berufen sich dabei auf Zahlen aus den Polizeidienststellen. Die beliebtesten Nebenjobs müssen dabei nicht unbedingt berufsfremd sein. Die Polizeibeamten arbeiten besonders gerne als Lehrer und Dozenten. "Es ist schon richtig, dass wir Nebenjobs unserer Beamten grundsätzlich mit einer gewissen Skepsis gegenüberstehen", hieß es gestern aus der Berliner Behörde. Im Gegensatz zu anderen Städten hätten die Berliner aber kein Problem damit, ihren Polizisten Bus- oder Lastwagenfahrten als Nebenjob zu erlauben. DBB-MAGAZIN,
April 2004 Berufsbeamtentum: Es ist wieder in, angesichts leerer Kassen und finanzieller Deasster Schuldige für die Misere zu suchen und dieselben geteert und gefedert durch die Straßen zu jagen. Dabei ist unstrittig: Es muss etwas geschehen im Staate, wenn sich das Blatt zum Guten wenden soll. Und das, was geschieht, geschieht in der Regel entweder zu langsam oder zu kurzsichtig. Die Beamten finden sich naturgemäß als erste in diesem Spannungsfeld wieder, denn schließlich müssen sie politische Vorgaben umsetzen. Dass man sich dem Problem mehr oder weniger sachlich nähern kann, zeigen die beiden folgenden Bücher. Verwaltungsarmee ... Das Beamtentum besteht allein um des Beamtentums willen und ist deshalb Schuld an der Haushaltsmisere. Darüber hinaus macht es jeden Versuch unmöglich, aus der Misere wieder herauszukommen, weil Beamte sich selbst verwalten. Schließlich kommen viele Politiker aus der Beamtenschaft und durchdringen das Parlament mit Lobbyarbeit. Damit ist die Sache klar: Beamte und Politiker entscheiden nichts gegen sich selbst und leben bis ans Ende ihrer Tage in Saus und Braus. Auf Kosten des Gemeinwesens, versteht sich. Soweit die Theorie des kürzlich erschienenen Buches "Die Verwaltungsarmee - Wie Beamte den Staat ruinieren" des Journalisten Olaf Baale. Der Autor gibt einerseits einen geschichtlichen Abriss zur Entstehung des Berufsbesamtentums und versucht andererseits zu erklären, warum sich dasselbe gegen jede Vernunft bis heute habe halten können: Weil die junge Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg von Beamten gemacht wurde, die sich wiederum selbst verwalteten und so weiter... In der Gegenwart angekommen, stürzt sich Baale auf jedes gängige Klischee, um zu belegen, wie unzeitgemäß das Beamtentum ist. Das gelingt wenig überzeugend und so mancher Sachverhalt wird dabei gefährlich verkürzt. Beispiel Tarifverhandlungen: Die, ist zu lesen, seien seit jeher eine gewerkschaftsinterne Show-Veranstaltung, die nur dazu diene, die Besoldungsforderungen der Beamten auf dem Rücken der mit Streikrecht ausgestatteten Angestellten durchzusetzen. "In dem Namen dbb beamtenbund und tarifunion offenbart sich ein Konflikt, für den es keine vernünftige Lösung gibt - es sei denn, es wird ein Schlussstrich unter das Beamtentum gezogen". Die Beamten lassen, so Baale weiter, nämlich im Ernstfall die Angestellten für sich streiken, wenn es um Besoldungserhöhungen geht. Es bedarf keines besonders versierten Materiekenners, um zu bemerken dass "Die Verwaltungsarmee" ein stark polarisierendes Buch ist, in dem wesentliche Merkmal es Beamtentums weggelassen werden, weil sie nichts ins Weltbild des Autors passen. Wer von dem Buch die Enthüllung unglaublicher Skandale erwartet, wird ebenso enttäuscht wie derjenige, der auf Informationen außerhalb von Tagespresse und Geschichtsschreibung hofft. Baales Informationen sind nicht falsch, beleuchten aber dennoch immer nur eine Seite der Medaille. So wird ein Bild des Beamtentums gezeichnet, bei dem die Negativliste gänzlich ohne Positivliste auskommen muss. Zwar möchte der Autor den Beamten nicht als Menschen treffen, stellt "den Beamten" aber dennoch als abstraktes, merkwürdiges Wesen aus einem für Außenstehende unbegreiflichen Mikrokosmos dar. In einem allerdings hat Olaf Baale recht: Die Reformen für den öffentlichen Dienst wurden zu lange verschleppt. Mit verheerenden Folgen für den Staat und seine Beschäftigten. Das zum Schuldspruch für einen ganzen Berufsstand zu machen und als Alternative die Abschaffung des "Beamtenparlaments" zu Gunsten einer direkten Demokratie mit Volksgesetzgebung anzustreben, ist im Ergebnis allerdings mehr als unausgegoren. ... und Beamtenrepublik Sachlicher gehen Pascal Beucker und Frank Überall in ihrem Buch "Die Beamtenrepublik - der Staat im Würgegriff seiner Diener?" zu Werke. Das Buch begeht nicht den Fehler, Beamte als amorphe Masse zu charakterisieren, sondern stellt gleich zu Beginn humorvoll heraus, dass es sich bei Beamten um Menschen handelt, die lachen, weinen und sich ärgern können. Ärgerlich allerdings, dass es dieser Karlstellung überhaupt bedarf! Beucker und Überall wollen Denkanstöße geben, wie die Bundesrepublik zu einem moderneren, flexibleren und besseren öffentlichen Dienst kommen kann. "Der bisherige Beamtenstand wird einiges an Federn lassen müssen, wenn die Bundesrepublik für die Zukunft gerüstet sein will (...)", so die Prognose. "Immerhin sind sich (fast) alle in einem einig: Es kann nicht so bleiben, wie es ist. Alleine das eröffnet bereits die Chance, dass weiter gedacht wird als bis zur nächsten Straßenecke, also nur bis zu der Frage, wie gerade mal das nächste Finanzloch notdürftig geflickt werden kann." Kein schlechter Ansatz, und so verzeiht man dem Autorenduo ironische Seitenhiebe auf den dbb und seine Vertreter leichter, zumal der Grundtenor des Buches weit weniger von falscher Ideologie getrieben ist als "Die Verwaltungsarmee". Sicher, die Thesen kommen auch hier zugespitzt, provokant und mit deutlichem Hang zum kalkulierten Lacher rüber. Dass sich die Reformvorschläge der Autoren am Ende in den Ergebnissen der Bull-Kommission erschöpfen, zeugt von mangelndem Sachverstand. Dass Verwaltungsfachleute da ganz andere Argumente in die Waagschale werfen, hat zum Beispiel die Bundestagsanhörung zum Dienstrecht gezeigt. Obwohl auch hier die Argumente der sachlichen Befürworter des Beamtentums weitgehend ausgeklammert werden, sollten Leser, die sich weniger ärgern und dafür mehr amüsieren wollen, zu "Die Beamtenrepublik" greifen. Auch, wenn Überall/Beucker ebenso wie Baale nicht an Evolution, sondern an Revolution interessiert sind. DER
STEUERZAHLER,
April 2004 Das neue Buch Die Diskussion über die treuen, teuren Beamten ist älter als die Bundesrepublik selbst. Da erstaunt es, dass das Berufsbeamtentum in der deutschen Geschichte eine erstaunliche Zählebigkeit bewiesen hat. Beamte genießen Privilegien, von denen Arbeiter und Angestellte nur träumen: Sie sind unkündbar, zahlen keine Sozialbeiträge und kassieren am Ende ihres Berufslebens eine üppige Pension. Die Autoren zeigen, wo Beamte arbeiten, wem sie nutzen und was sie kosten. Und sie fragen, ob wir uns diesen Luxus noch leisten können. Sie haben mit Politikern gesprochen und zeigen, warum die Parteien trotz populistischer Ankündigungen vor den Beamten kuschen. Eine sicher polemische, aber fundierte Abrechnung. Pascal Beucker und Frank Überall setzen in ihrer Analyse bei der Frage an, warum und wo es überhaupt Beamte gibt. Sie zeichnen die Geschichte des Berufsbeamtentums nach und belegen, welche Risiken es heute für die bundesdeutsche Gesellschaft darstellt. Die Autoren dokumentieren, warum das Berufsbeamtentum in seiner bestehenden Form ein Relikt ist, das seiner Überwindung harrt, und zeigen auf, wie Veränderungen aussehen könnten. Ihre Recherche bietet ein differenziertes wie unterhaltsames Bild. DEUTSCHES HANDWERKSBLATT, 13.03.2004 Kaiser,
Könige und Von Angelika Basdorf Die Schweizer haben erreicht, wovon Millionen amtsgeschädigte Deutsche nur träumen können: das Berufsbeamtentum wurde abgeschafft. Die beiden Journalisten Pascal Beucker und Frank Überall sehen in ihrem Buch „Die Beamtenrepublik“ die Schweiz denn auch als Vorbild für einen Bruch mit dem Beamtenstaat an. Doch gerade das scheint in der Beamtenrepublik Deutschland gar nicht so einfach zu sein. Das Berufsbeamtentum hat mit einer erstaunlichen Zählebigkeit Kaiser und Könige, die Weimarer Republik und das Dritte Reich sowie alle späteren Reformversuche überstanden. In Deutschland gibt es 1,85 Millionen Arbeitnehmer, die verbeamtet sind, das heißt jeder 15. Arbeitnehmer genießt die Privilegien, unkündbar zu sein, keine Sozialabgaben zu zahlen und am Ende des Berufslebens eine stattliche Pension zu kassieren. Für eine lange Zeit galten Beamte als kostengünstiger als Angestellte. Doch mittlerweile werden die öffentlichen Haushalte von einer Kostenlawine überrollt, und in Zeiten wachsender Staatsverschuldung und leerer öffentlicher Kassen werden Beamte zu einer kaum noch tragbaren finanziellen Belastung. Die Autoren Beucker und Überall haben ein Buch geschrieben, das in provozierender und zuweilen kabarettistischer Weise reihenweise Argumente für die Abschaffung des Beamtentums liefert. Dennoch ist
dieses Buch nicht nur ein Plädoyer für ein Ende der „Beamtenrepublik“
Deutschland. In einer fundierten Analyse wird die historische Entwicklung
des Beamtentums aufgezeigt. Umfassend werden verschiedene Aspekte wie
Kosten („Der teure Beamte“), das Treueverhältnis gegenüber dem Staat
(„Der treue Beamte“) oder bestimmte Auswüchse und Fehlentwicklungen
charakterisiert. Allerdings werden wenig konkrete Lösungsvorschläge für
eine Reform geliefert. Doch den Verfassern geht es nicht um behutsame Reformen im Einzelfall, sondern um eine grundsätzliche Abschaffung des Berufsbeamtentums. Hier sehen sie sich jedoch einer starken Allianz berufsständischer Vertreter und politischer Meinungen von konservativ bis traditionell links gegenüber. Im übrigen kommen etwa ein Drittel aller politischen Amts- und Mandatsträger aus dem öffentlichen Dienst und wirkt als Sperrminorität gegen grundlegende Änderungen des Beamtenrechts. DEUTSCHLANDFUNK,
03.01.2005 Pascal Beucker und Frank Überall: Die Beamtenrepublik - Der Staat im Würgegriff seiner Diener? Von Volker Wagener Von organisierten Räuberbanden sprach Augustinus, als er Regierungen definierte, denen der Sinn für die Gerechtigkeit abhanden gekommen sei. Wenn das stimmt, dann sind die Verwaltungen mit den Beamten sozusagen die Komplizen. Aber kriminelle Energie liegt Beamten fern, von einigen Ausnahmen mal abgesehen. Das Problem liegt ganz woanders, wie die Autoren Pascal Beucker und Frank Überall in ihrem Buch Die Beamtenrepublik darstellen wollen. Kennen Sie den? - Geht ein Beamter zur Arbeit. - Das war's auch schon. Der Witz ist vielleicht nicht neu, aber kürzer lässt sich das jahrzehntelange Negativimage deutscher Staatsdiener kaum auf den Punkt bringen. 1,7 Millionen Beamte leben in Deutschland. Es geht ihnen gut, zu gut, finden immer mehr kritische Analytiker unserer Gesellschaft. Sie haben eine Anstellung auf Lebenszeit, sehen regelmäßigen Beförderungen entgegen und dürfen am Ende ihrer Laufbahn eine komfortable Pension verzehren. Von Qualitätskontrollen ihres Schaffens blieben sie lange verschont. Etwas tut sich neuerdings. Dennoch: Das Beamtentum ist zum Synonym eines trägen Staates geworden. Nirgends wird mehr krankgefeiert, kein anderer scheidet früher aus dem Berufsleben aus als unsere Beamten. Trotz allem stehen einer tief greifenden Reform schier unüberwindliche Hürden entgegen. Der Streit darüber innerhalb der Föderalismus-Kommission war nur der letzte und offenkundigste Anlass dafür, dass die Beamten eine mächtige Lobby hinter sich wissen. Passend zur aktuellen Diskussion über die Zukunft der deutschen Beamten haben die Autoren Pascal Beucker und Frank Überall ein Buch vorgelegt, das schon auf dem Umschlag dem Leser signalisiert, wo die beiden hauptamtlichen Journalisten argumentativ in der laufenden Debatte stehen: nämlich auf Seiten der Kritiker des derzeit praktizierten Beamtentums. Zu sehen ist ein mausgrauer Büromensch in Polyacrylhemd - oberster Knopf geschlossen - Bleistift spitzend vor einem Aktenwagen. Das wirkt verkaufsfördernd und ist sicher auch so beabsichtigt. Keine Frage, die Autoren wollen provozieren. Auf rund 270 Seiten lassen sich zahlreiche Beispiele für Missbräuche im Beamtenrecht finden. Es wird auf die Di-Mi-Do-Professoren verwiesen, die grundsätzlich nur in der Mitte der Woche Lehrveranstaltungen anbieten, um in der restlichen Zeit gut dotierten Nebentätigkeiten nachgehen zu können, behaupten die Autoren. Sicher - in dem Buch sind viele krasse Fälle fehlgeleiteter Beamtenkarrieren versammelt. Als reine Polemik wollen die Autoren ihre Untersuchung, die in 14 Kapitel unterteilt ist, dennoch nicht verstanden wissen. Vielmehr schildern sie auch die historische Entwicklung des deutschen Beamtentums und bieten Vorschläge an, an welcher Stelle einschneidende Reformen nötig sind und wo weniger. "Die Beamtenrepublik" ist im Zuge der weiteren politischen Diskussionen über die Zukunft der Staatsdiener ein Buch, auf das wohl noch häufiger zurückgegriffen werden dürfte. Beucker, Pascal und Überall, Frank: Die Beamtenrepublik - Der Staat im Würgegriff seiner Diener? Campus-Verlag, Frankfurt am Main, 276 Seiten, Euro 21,90. DIE
ENTSCHEIDUNG, September 2004 Rechenexempel Ist unser Staat im Würgegriff seiner Diener? Diese freche Frage stellen Pascal Beucker und Frank Überall in ihrem Buch „Die Beamtenrepublik“ (Campus Verlag). Ihr visionäres Fazit: Ja, und deshalb gehört das Berufsbeamtentum abgeschafft. Detailliert schildern sie die historische Entwicklung dieser außergewöhnlichen Beschäftigungsverhältnisse des deutschen Staates. Fundiert rechnen sie vor, dass Beamte aber eben nicht günstiger sind als Angestellte. „Schluss mit der Lebenslüge des Berufsbeamtentums, dessen Kosten die Politiker so gerne schön rechnen“, fordert deshalb der Kölner Journalist und Politologe Frank Überall, der in den neunziger Jahren Chefredakteur der ENTSCHEIDUNG war: „Für die Altersversorgung der Beamten wurden jahrzehntelang keine ordentlichen Rücklagen gebildet. Auf die junge Generation rollt eine finanziell schlimme Pensionswelle zu.“ Weil Finanzpolitiker selten an die Zukunft denken und weiterhin nichts Ausreichendes für die Pensionen auf die hohe Kante legen, sei die Beschäftigung von Beamten heute unverantwortlich. Die Chancen für eine solche, echte Reform des öffentlichen Dienstes stehen nach Ansicht der Autoren aber schlecht. Weil ein Drittel der Abgeordneten im Bundestag Beamte sind, lasse sich kaum eine Grundgesetz-Änderung zu Gunsten eines reformierten Beamtentums durchsetzen. In der Schweiz dagegen habe das per Volksentscheid geklappt, verraten die beiden Fachmänner. In ihrem Buch liefern sie eine fundierte Analyse des öffentlichen Dienstes und des aktuellen Stands der politischen Diskussion zum Thema. FinanzReport online, März 2005 Dämmerung
des Konfrontationskurses Gastbeitrag
von Joachim Käppner, stellvertretender Ressortleiter Innenpolitik der Süddeutschen
Zeitung Es ist ein
festes Ritual. Jedes Jahr bald nach Dreikönig wird das alte Kurstädtchen
Bad Kissingen von einer Invasion der Beamten aus dem Winterschlaf
gerissen, begegnen sich auf den Fluren des Tagungshotels erstaunte
Wellness-Sucher im Bademantel und grimmige Personenschützer der
angereisten Politiker, hält der Deutsche Beamtenbund (dbb) Hof und feiert
bis tief in die Nacht. Und doch fehlt neuerdings etwas: die Forderung,
alles müsse bleiben, wie es ist. Allein der Gedanke an eine Reform des
Berufsbeamtentums muss den Rednern früher wie ein Verstoß gegen das
Grundgesetz erschienen sein. Und selbst kleine Veränderungen wurden in
Bad Kissingen meist nach dem Motto abgewiesen: Einschnitte ja – aber
bitte nicht bei uns. Das hat sich
so schnell und so gründlich geändert, dass viele den Wandel noch gar
nicht bemerkt haben. Aus gutem Grund gingen dbb-Chef Peter Heesen
(„Verehrter Herr Minister“) und Bundesinnenminister Otto Schily dieses
Jahr in Bad Kissingen so demonstrativ herzlich miteinander um, dass
Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser die beiden spitz als „neues
Traum-Duo“ bezeichnete. Heesen und Schily ist nämlich in
atemberaubender Geschwindigkeit etwas gelungen, was noch wenige Jahre
zuvor unvorstellbar gewesen wäre: ein Konzept für eine durchgreifende
Reform des Berufsbeamtentums zu schaffen. Beamte
mit dem Rücken an der Wand Es war an
der Zeit. Die Jahre der Betonpolitik seitens des Beamtenbundes haben ihren
Preis gefordert. Das Image der Staatsdiener ist nicht gut, ihre echten
oder vermeintlichen Privilegien sind wenig populär in Zeiten hoher
Arbeitslosigkeit und ökonomischer Verunsicherung. Ein Beispiel: „Die
Bezeichnung des Beamten wird künftig vielleicht aus dem Wortschatz
entfallen müssen“, schreiben die Autoren Pascal Beucker und Frank Überall
in einem Buch, in dem sie dafür plädieren, das „vordemokratische Überbleibsel“
des deutschen Berufsbeamtentums abzuschaffen. Die Stimmung
also war gegen die Beamten, und das hat es den Ländern leicht gemacht,
ihren Beschäftigten enorme Einschnitte zuzumuten. Denn um nichts anderes
handelt es sich ja, wenn die Länder einseitig die Arbeitszeit verlängern
und massive Kürzungen beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld durchsetzten. Mehr
ist den Beschäftigten kaum zuzumuten, wenn der öffentliche Dienst
attraktiv bleiben will. Das
„Eckpunktepapier“, wie das Reformkonzept von Schily und Heesen in schönstem
Beamtendeutsch genannt wird, hat seine erste Bewährungsprobe bestanden:
Seine wichtigsten Elemente wie etwa die leistungsorientierte Bezahlung
finden sich wieder im Potsdamer Tarifabschluss für den Öffentlichen
Dienst vom 9. Februar. Dieser aber gilt nur für den Bund und die
Kommunen, die Länder mit ihren 900.000 Beschäftigten waren im Vorjahr
aus den Tarifgesprächen ausgeschert. Neue
Chance für die Länder Die Länder
werden auf Dauer ein konstruktiveres Verhältnis zu ihrem öffentlichen
Dienst im allgemeinen und ihren Beamten im Besonderen finden müssen. Das
gestörte Verhältnis zu den Staatsdienern fand seinen krassesten Ausdruck
in den peinlichen Bemerkungen des Berliner Innensenators, der in seinen
Amtsstuben „übelriechende Gestalten“ ausgemacht haben will. Diese Art
von populistischen Attacken auf die eigenen Bediensteten lässt nichts
Gutes hinter dem Versuch der Länder ahnen, die Hoheit über das
Beamtenrecht an sich zu ziehen. In der – dann am Streit über die
Kompetenz für die Bildung gescheiterten – Föderalismus-Kommission war
das schon fast ausgemachte Sache. Die Vorstellung freilich, statt eines
einheitlichen Dienstrechtes künftig 17 verschiedene zu haben, gleicht
einem bürokratischen Albtraum. Nach dem
Potsdamer Abschluss stehen die Länder nun plötzlich unter Druck. Wenn es
Bund und Kommunen möglich ist, im öffentlichen Dienst einen Tarifvertrag
auszuhandeln, der ja bei Lichte besehen nichts anderes ist als eine große
Besoldungsreform: Warum sollten die Länder nicht nachziehen können? Ihr
Argument, schon die relativ geringen Einkommenszuwächse des Potsdamer
Vertrages von circa einem Prozent seien „nicht finanzierbar“, ist
nicht sehr stark, bedenkt man, dass die finanzschwachen Kommunen mit dem
Tarifvertrag sehr zufrieden sind. Die Gewerkschaften haben sich sogar in
der Frage der Arbeitszeit bewegt, so dass hier ein Kompromiss mit den Ländern
zumindest wieder möglich erscheint. In den
laufenden Verhandlungen zwischen der Tarifgemeinschaft deutscher Länder
und den Gewerkschaften liegt nun eine große Chance für die Bundesländer,
den Konfrontationskurs zu beenden. Es ist schon bemerkenswert, dass es
dbb-Verhandlungsführer Frank Stöhr schon „immerhin für einen
Anfang“ hält, dass man überhaupt wieder miteinander spricht. Dass man
dabei einig wurde, die Auswirkungen des neuen Tarifvertrages für den öffentlichen
Dienst übertragen auf die Länder zu berechnen, ist, so gesehen, schon
etwas mehr als nur ein Anfang. Aus einzelnen Ländern, etwa
Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein, sind ja bereits positive Signale
gekommen. Der öffentliche Dienst hat gezeigt, dass er reformfähig ist. Und die Länder haben nun die Gelegenheit, sich aus der Sackgasse herauszumanövrieren, in die sie aus eigenem Verschulden geraten sind beim Versuch, die unzweifelhaft vorhandenen Probleme im öffentlichen Dienst nach Art preußischer Monarchen per Dekret zu lösen: längere Arbeitszeiten, harte Einkommenseinschnitte. Allein der Stil, mit dem all dies teilweise erzwungen wurde, hat bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im öffentlichen Dienst verständliche Verbitterung erzeugt. Wer Reformen durchsetzen will, kann sie aber nur mit den Beschäftigten erreichen – dadurch, dass er sie „mitnimmt“, wie es in der Managersprache heißt. Die Länder sollten diese Chance nutzen. Die Alternative dazu wäre ein Dauerkonflikt mit den Gewerkschaften. FRANKFURTER RUNDSCHAU, 01.02.2005 Im
Dschungel der Sonderzulagen Von Rudolf Walther Befindet sich der Staat "im Würgegriff" der Beamten, wie es im Untertitel des Buches Die Beamtenrepublik von Pascal Beucker und Frank Überall heißt? Nun, ohne Zweifel schleppt das Berufsbeamtentum zwei Hypotheken mit sich herum. Da ist einmal die Hypothek der Geschichte: Das Berufsbeamtentum ist ein Kind des Spätabsolutismus, der dem Staatsdiener eine lebenslängliche Stellung mit Pensionsberechtigung garantierte, aber dafür unbedingten Gehorsam und einen Eid auf den Herrscher verlangte. Beamte erhielten rechtlich gesicherte Ansprüche, wurden jedoch zugleich zu Staatsknechten. Exemplarisch dafür ist das bayerische Beamtengesetz von 1805. Dieser Abriss über die Geschichte des Berufsbeamtentums ist den Autoren etwas holzschnittartig geraten und auch nicht frei von Fehlern. Statt von der "Hauptlandespragmatik" vom 1.1.1805 ist von einer "Hauptdienstpragmatik" die Rede, die die Verhältnisse der bayerischen Beamten geregelt haben soll. Noch das Grundgesetz von 1949 bezieht sich auf diese obrigkeitsstaatliche Gehorsamspflicht des Beamten, wenn es im Artikel 33 "die hergebrachten Grundsätze des Berufsbeamtentums" beschwört. Die Autoren zeigen, welche ambivalenten Folgen diese "Grundsätze" in der deutschen Geschichte hatten. Pension für die nächste Generation Die zweite Hypothek des Berufsbeamtentums besteht im Erbe aus den bürokratischen Bemühungen, für alle Funktionen, die Beamte erfüllen, Regeln aufzustellen. Im Besoldungswesen führte das zu einem Dschungel von undurchschaubaren Sonderbestimmungen und Sonderzulagen. Jede Beamtengruppe pflegte und hegte dabei ihren Sonderstatus und ihre Sondervergütungen mit allerlei "Erschwerniszulagen", die rund vier Prozent der Gesamtausgaben für Beamtengehälter ausmachen. Zu dieser Hypothek gehört auch, dass Beamte im Ruhestand Pensionen beziehen, für die sie nichts einzahlen und für die der Staatshaushalt aufkommen muss. Mit der Verdreifachung der Beamtenstellen zwischen 1960 und 2003 - die Zahl der Stellen stieg von rund 600 000 auf 1,8 Millionen - kommt auf zukünftige Generationen eine erhebliche Belastung zu. Ist ein solches System rational und finanzierbar? Politiker aller Parteien vermehrten die Beamtenstellen im Nachkriegsboom, ohne für die Folgen Vorsorge zu treffen. Für die jeweils Regierenden sind nämlich die Kosten für Beamten rund ein Viertel geringer als für Angestellte, weil der Arbeitgeberanteil für die Renten- und für die Arbeitslosenversicherung entfällt. Erst spätere Generationen müssen für die Beamtenpensionen aufkommen. Aber dann sind die politisch dafür Verantwortlichen längst im Ruhestand oder tot. Der Konstruktionsfehler einer Pensionsregelung, für die die Berechtigten während ihrer aktiven Amtszeit nichts bezahlen, wurde 1957 bemerkt. Man forderte deshalb von den Beamten damals happige sieben Prozent Lohnreduktion. Mit diesem Geld sollte ein Pensionsfonds eröffnet und durch Beiträge laufend gespeist werden. Aber genau das geschah nicht. Das Geld floss in die aktuellen Haushalte. Erst in den letzten Jahren - viel zu spät - sind die Bundesländer dazu übergegangen, Fonds anzulegen, um später die Pensionen bezahlen zu können. Was Beucker und Überall eine "tickende Zeitbombe" nennen, haben Politiker zusammen mit der Beamten-Lobby selbst gebastelt. Und mit einem mutigen Einschnitt, der momentan keiner politischen Partei zuzutrauen ist, wäre die vermeintliche Zeitbombe ganz einfach und ohne die wohlerworbenen Besitzstände der Beamten anzutasten, zu entschärfen. Erst spät setzte sich auch die Ansicht durch, dass man Postboten, Eisenbahnschaffner und Sachbearbeiter in vielen Verwaltungen so wenig verbeamten muss wie Lehrer, Professoren oder Krankenhausärzte. Sie alle üben keine staatlichen Hoheitsfunktionen aus im Unterschied zu Polizisten, Richtern oder Staatsanwälten. Politiker aller Parteien und die Beamten-Lobby - mit dem "Deutschen Beamtenbund" an der Spitze - sorgten für die grundlose Verbeamtung des öffentlichen Dienstes. So begründete der Beamtenbund die Notwendigkeit des Beamtenstatus für Lehrer mit dem lächerlichen Argument, nur Lehrer, die als Beamte nicht streiken dürften, böten Gewähr für lückenlosen, von keinen Streiks unterbrochenen Unterricht. Keine Rettung durch Privatisierung Das Buch von Beucker und Überall denunziert solche Verstiegenheiten mit Recht. Dennoch zielen sie mit ihrer Kritik nicht nur auf die politisch Verantwortlichen und die Beamten-Lobby, sondern auch auf "den" Beamten. In schlechter Illustrierten-Manier schildern sie bizarre Einzelfälle von querulantischen Professoren, schulmüden Lehrern und geldgierigen Chefärzten, um "den" Professor, "den" Lehrer und "den" Chefarzt zu demontieren, so als ob die 15 Prozent Großverdiener unter den Chefärzten, Kunst- und Musikhochschulprofessoren repräsentativ wären für die Mehrheit. An anderer Stelle räumen die Autoren denn auch ein, dass es nicht Geldgier, sondern "meistens ... die nackte finanzielle Not" ist, die Beamte zu Zusatzjobs förmlich zwingt. Auch die Quellenauskunft "nach Angaben von Fachleuten" festigt die argumentative Grundlage nicht, sondern verschleiert nur wohlfeile Vorurteile und landesübliche Ressentiments. Mit solchen populistischen Untertönen entwerten die Autoren ihre Arbeit ebenso wie mit ihrer abgestandenen Reformrhetorik, die sich anhört, als stamme sie direkt aus den Wahlkampfzentralen der Parteien. Dass die Privatisierung von vielen öffentlichen Diensten nicht nur "kein Allheilmittel" ist, hat sich herumgesprochen. Gravierender ist jedoch die von den Autoren übersehene Tatsache, dass die Privatisierung und Teilprivatisierung öffentlicher Dienste direkt zu katastrophalem Leistungsabbau führen, wie man ihn bei deutschen und britischen Eisenbahnen oder Postdiensten ohne viel wissenschaftlichen Aufwand und sozusagen mit bloßem Auge beobachten kann. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 09.03.2004 Der Staat
im Würgegriff seiner Diener Von Andreas Kurz Der 21. März wird ein schwieriger Tag für Beamte. Der Winterschlaf endet, und die Frühjahrsmüdigkeit beginnt. Haha, werden Staatsdiener sagen, den Witz kenne ich schon. Spott sind sie nämlich gewöhnt. Über kaum einen anderen Berufsstand wird so viel Häme ausgegossen wie über Beamte. Der überbordende Spott entspreche den Ohnmachtsgefühlen vieler Bürger, wenn sie einem Staatsbediensteten gegenübertreten, sagen Pascal Beucker und Frank Überall. Ihr Buch "Die Beamtenrepublik" soll provozieren, zuspitzen, für einen moderneren öffentlichen Dienst streiten. Schon der Untertitel fragt provokant "Der Staat im Würgegriff seiner Diener?" Beucker und Überall reißen die Fehlentwicklungen im Beamtentum mit einem Zug ins Kabarettistische auf. Dass sich die Zahl der Beamten seit 1960 fast verdreifacht hat, können sich die Autoren nur mit einer wundersamen Zellteilung erklären - aus zwei Aufgaben wurden vier, aus vier wurden acht. "Rasch gab es davon mehr als Beamte", schreiben sie. Die Folge: Viele Beamte würden infolge ihrer Überarbeitung krank, fehlten im Dienst, nähmen Urlaub. Was zu Personalnot führt. Und irgendwann auch zu neuen Planstellen - für Beamte, versteht sich. Für diese Beamtenzellteilung in den 1960ern und 1970ern gibt es gute Gründe: Fiskalisch sind Beamte einfach günstiger. Sie kosten rund ein Viertel weniger als normale Angestellte, für die Sozialversicherungsbeiträge fällig seien. Aber nur formal und nur aktuell, sagen die Autoren. Denn anders als ein privater Arbeitgeber muss der Staat in seinen Bilanzen keine Rückstellungen für die enormen Pensionslasten bilden. In diesem provokanten Stil geht es munter weiter. Themen sind die nazibelastete Geschichte des Beamtentums ("Der traditionsreiche Beamte"), das Treueverhältnis zum Staat ("Der treue Beamte") und das, was Beamte samt Zulagen den Staat so kosten ("Der teure Beamte"). Die Autoren verstehen ihr Buch als Überblick über den komplexen Konflikt um das Beamtentum, haben Interviews, Gerichtsurteile und Meinungen zusammengetragen. An einigen Stellen siegt die Archivarbeit über die Argumentation. Im Kapitel über die Korruption erzählen Beucker und Überall die Geschichte von Millionen-Manni - einem Polizisten, der eines Tages mit einem Geldtransporter durchbrannte. Oder von dem Beamten beim Bremer Sozialamt, der drei Bedürftige erfand, um so insgesamt 192.000 DM für sich abzuzweigen. Doch diese Beispiele verkorkster Amtsbrüder belegen höchstens, dass es in jedem Beruf schwarze Schafe gibt. Niemand schafft den Beruf des Buchhalters ab, weil in der Vergangenheit Bilanzen geschönt wurden. Nachdem Beucker und Überall so Aufreger an Schenkelklopfer an Aufreger aufgereiht haben, taucht auf Seite 90 - spät, aber immerhin - ihr erster Reformvorschlag auf. Wer sich bis zum zwölften Kapitel geduldet, bekommt kurz vor vor Schluss noch echte Reformhäppchen geliefert. Die allerdings sind schwere Kost. Nicht wegen der Inhalte, sondern weil in indirekter Rede seitenweise der Expertensprech im Abschlussbericht einer nordrhein-westfälischen Regierungskommission referiert wird. Vielleicht ein gewollte Lapsus. Denn Beucker und Überall stellen klar, dass sie an behutsamen Reformen ohnehin nicht interessiert sind. Ihr Credo: Das Berufsbeamtentum sei ein vordemokratisches Übel, das seiner Überwindung harrt. Bei so viel grundsätzlichen Angriffen droht Ungemach für die Beamten. Sollen sie sich damit trösten, dass die Suchmaschinen im Internet drei Mal so viele Witze über Blondinen wie über Beamte auswerfen? © 2004 Financial Times Deutschland HANDELSBLATT,
23.04.2004 Pascal Beucker, Frank Überall: Die Beamtenrepublik – Der Staat im Würgegriff seiner Diener? Campus Verlag, Frankfurt 2004, 276 Seiten, 21,90 Euro Von Olaf Wittrock Mehr als 1,8 Millionen Deutsche sind verbeamtet. Unkündbar, mit automatisch steigendem Salär, abgesichert per Beihilfe und Pension. In den Augen der Journalisten Pascal Beucker und Frank Überall sind das 1,8 Millionen mögliche Probleme: Die Beamtenrepublik, so referieren sie, sei leistungsfeindlich, demotivierend und anfällig für Korruption. Ihr Urteil fällen die Autoren unter Rückgriff auf Zahlen, Daten und Anekdoten über das Fehlverhalten von Staatsdienern. Und sie ziehen ein knappes Fazit: Das Berufsbeamtentum gehört abgeschafft – so wie in der Schweiz. Die eidgenössischen Parlamentarier lösten das alte Bundespersonalgesetz vor vier Jahren einfach ab – und wandelten 120 000 Beamte zu Bundesangestellten um. JUNGE
WELT, 10./11.07.2004 Der Staatsapparat Von Ulla Jelpke »Die PDS tritt dafür ein, den bisherigen Beamtenstatus abzuschaffen. Mit seiner Loyalitäts- und Treuepflicht gegenüber dem Dienstherrn und wegen undemokratischer Elemente, etwa wegen des fehlenden Streikrechts, ist er ein Relikt des Obrigkeitsstaates.« Mit diesem Zitat aus einer Stellungnahme der PDS-Bundestagsfraktion ist die Quintessenz des Buches von Pascal Beucker und Frank Überall gekennzeichnet. Unter dem Titel »Die Beamtenrepublik. Der Staat im Würgegriff seiner Diener?« leisten die Autoren einen wichtigen Beitrag zu einer überfälligen Debatte. Sie beschreiben die Entstehung des Berufsbeamtentums, die Willfährigkeit der Beamtenschaft gegenüber den Nazis, die Phase der Restauration in der Adenauer-Republik, die krassen Fehlentwicklungen, aber vor allem auch das ständige Scheitern jeglicher Änderungsversuche an einer starken Lobby. Erst das Diktat der leeren Staatskassen gibt Hoffnungen auf Veränderung neuerdings wieder Auftrieb. Entgegen landläufiger Meinung entstand das Berufsbeamtentum in Deutschland nicht unter Friedrich dem Großen, sondern – vor genau zweihundert Jahren – mit der bayerischen »Hauptdienstpragmatik über die Dienstverhältnisse der Staatsdiener« im Jahre 1805. Dennoch ist die Charakteristierung des Berufsbeamtentums als Relikt des preußischen Obrigkeitsstaates berechtigt. Denn nach der von Preußen herbeigeführten Reichsgründung 1871 entfaltete sich das Berufsbeamtentum zu seiner vollen Blüte. Die Zahl der Staatsdiener verdreifachte sich in relativ kurzer Zeit auf anderthalb Millionen. Beucker und Überall: »Mit diesem Machtapparat schufen sich der Kaiser und seine Regierung ein politisches Gegengewicht zu den von ihnen verachteten Parlamentariern.« Die Kennzeichen des Berufsbeamtentums gelten seitdem nahezu unverändert und werden im Grundgesetz als »hergebrachte Grundsätze« geschützt. Es sind dies vor allem die besondere Treue- und Hingabepflicht gegenüber dem Dienstherrn, strikte Bindung an Recht und Gesetz (und damit Verpflichtung zur Neutralität gegenüber allen Bürgern), Unkündbarkeit, der Grundsatz der Alimentation (das heißt: angemessene Bezahlung nach dem ausgeübten Amt unabhängig von der konkreten Leistung; großzügige Altersversorgung in Form von Pensionen, deren Höhe sich nach der letzten im aktiven Dienst erreichten Besoldungsstufe richtet). Die Privilegien, vor allem die Einstellung auf Lebenszeit, werden erkauft durch das Verbot von Streiks sowie durch jederzeitige Versetzbarkeit an andere Dienstorte. In einem lesenswerten historischen Abriß schildern Beucker und Überall die Unfähigkeit der Weimarer Republik, den Bruch mit dem Beamtensystem der Kaiserzeit zu vollziehen. Die autoritäre Grundeinstellung der Beamtenschaft ließ sie überwiegend zu einem willfährigen Instrument des Naziregimes werden. In der Bundesrepublik wurde die personelle und institutionelle Kontinuität der Beamtenschaft nicht unterbrochen. Zaghafte Ansätze einer Entnazifizierung durch die Alliierten wurden unter dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) bald aufgegeben. Adenauer wollte den Verwaltungsapparat nicht auswechseln. Das berühmteste Beispiel für die Weiterbeschäftigung von Nazis war der Aufstieg des Kommentators der Rassegesetze von 1935 Hans-Maria Globke zum Staatssekretär im Bundeskanzleramt, d. h. zum höchsten Beamten der Bundesrepublik. Umgekehrt, aber dem entsprechend, ging die Bundesrepublik mit Härte von den 50er Jahren bis 1989 gegen Beamte vor, die Mitglied kommunistischer, sozialistischer oder antifaschistischer Organisationen wie der KPD, der FDJ oder der VVN waren. Nach dem Anschluß der DDR 1990 hatten sich die relativ wenigen Ostdeutschen, die als Beamte übernommen wurden, verschiedensten diskriminierenden Prüfverfahren zu unterziehen. Finanziell sind sie bis heute auch bei gleicher Tätigkeit schlechter gestellt als ihre westdeutschen Kollegen. Nach dem historischen Rückblick gehen die Autoren auf aktuelle Fehlentwicklungen des Beamtentums ein, speziell auf die zahlreichen Formen von Korruption, wie etwa im kommunalen Baubereich angefangen. Als die Bereitschaft zur Versetzung nach 1990 gefragt war, erklärten sich westdeutsche Beamte nur bei Zahlung einer »Buschzulage« bereit, in Ostdeutschland Dienst zu tun. Nebentätigkeiten, teilweise nach Ansicht der Autoren wegen niedriger Besoldung im einfachen und mittleren Dienst überlebensnotwendig, nehmen überhand. Am Beispiel des Prozeßbevollmächtigten der Bundesregierung im gescheiterten NPD-Verbotsverfahren, Professor Wolfgang Löwer, zeigen die Autoren detailliert den enormen Umfang zusätzlicher Tätigkeiten auf. Ob Hochschullehrer wie Löwer ihre Aufgaben in Lehre und Forschung überhaupt noch wahrnehmen können, ist nur noch eine rhetorische Frage. Daß Lehrer nicht Beamte sein müssen, belegte die PISA-Studie, nach der Länder ohne verbeamtete Lehrer bessere Ergebnisse aufwiesen als Deutschland. Die Probleme sind nicht neu, Konsequenzen gab es praktisch bisher noch nicht. Ernsthafte Veränderungen sind nur gegen den Widerstand des mächtigen Deutschen Beamtenbundes durchzusetzen. Erst die Finanzmisere der öffentlichen Hand übte einen heilsamen Zwang aus, wobei das größte Problem erst in den nächsten Jahrzehnten akut wird: Die Beamtenpensionen sind künftig fast unbezahlbar, weil versäumt wurde, Rücklagen zu bilden. Auf Initiative des bankrotten Berlin wurde 2003 vereinbart, daß nicht mehr der Bund (der weitaus weniger Beamte beschäftigt als die Länder), sondern jedes einzelne Bundesland künftig bestimmt, ob und in welcher Höhe Urlaubs- und Weihnachtsgeld bezahlt werden. Mit der »Föderalismusreform« soll die Besoldungskompetenz für die Landesbeamten ganz auf die Länder übergehen. Dennoch verläuft die »Reformdebatte« sehr zäh. Beucker und Überall stellen dar, wie sowohl in der SPD als auch in der CDU/CSU nur langsam die Bereitschaft aufkommt, den alten Zopf Berufsbeamtentum abzuschneiden. Die Grünen stellten zwar 1990 im Bundestag einen Antrag auf Abschaffung des Beamtenstatus, seit sie aber Regierungspartei sind, wurde das Vorhaben »vergessen«. Die meiste Hoffnung setzen die Autoren auf einen radikalen Übergang zur leistungsorientierten Bezahlung. Das Fazit von Beucker und Überall deckt sich mit dem des von ihnen zitierten Berliner Politikwissenschaftlers Peter Grottian: »Das Berufsbeamtentum ist in einer modernen Dienstleistungsgesellschaft eine antiquierte Form – es geht eben nicht um Loyalität, sondern um Mitarbeit, um Kooperation.« KÖLNISCHE/BONNER
RUNDSCHAU, 30.03 2004 Klischees über Privilegien
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